Historie des Instituts

Das Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft mit der Betriebseinheit des Allgemeinen Hochschulsports hat an der Universität Stuttgart eine wechselvolle Historie.

 

1935-1944

Die institutionelle Gründung vollzog sich im Vergleich zu anderen Hochschulen in Deutschland relativ spät erst im Jahre 1935 als Institut für Leibesübungen (später Hochschulinstitut für Leibesübungen). Die Aufgaben des Instituts lagen zu dieser Zeit in der Durchführung des Sportbetriebs an der Technischen Hochschule Stuttgart, an der Musikhochschule, der Kunstakademie und der Höheren Berufsschule Stuttgart sowie der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim. Das Institut hatte den Status einer zentralen Einrichtung der Technischen Hochschule Stuttgart. Inhaltlich wurde die pflichtgemäße sportliche Grundausbildung der Schüler und Studierenden als auch die Organisation des Hochschul- und Wettkampfsports übernommen.

Mit der Auflösung der Landesturnanstalt im Jahr 1942 übernahm das Stuttgarter Institut zusätzlich Aufgaben in der Lehrerfortbildung. Die Ausbildung der Lehrkräfte für die Region Stuttgart wurde in diesen Jahren durch die Universität Tübingen geleistet.

Räumlich war das Institut über die Jahre des 2. Weltkriegs in der Holzgartenstraße in Stuttgart untergebracht. Dort standen ein Stadion und die Staatsturnhalle für den Sportbetrieb zur Verfügung.

Als erster Leiter des Instituts für Leibesübungen wurde 1935 Studienrat Heinrich Schmid berufen.

 

1944-1976

Zwischen 1944 und 1947 existierte das Institut für Leibesübungen nicht. Erst auf Intervention des Studentenausschusses im Jahre 1947 wurden erste Sportreferenten an der Technischen Hochschule Stuttgart bestellt. Studienassessor Otto Schäfer wurde mit dem Wiederaufbau des Instituts betraut und im Jahr 1949 als dessen Direktor eingesetzt. Mit dem Jahr 1950 konnte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Studierenden der Technischen Universität Stuttgart wieder ein regelmäßiges Hochschulsportprogramm angeboten werden. Das Angebot wurde in extremer räumlicher Enge, in einem unterirdischen Sportraum, realisiert (in Stuttgart auf dem ehemaligen Boschareal). Abhilfe schaffte nur bedingt das Hochschulstadion in Stuttgart-Degerloch, das im Jahr 1965 vollständig ausgebaut war.

Personell wurde im Jahr 1972 eine hauptamtliche Assistentenstelle eingerichtet, die durch Hubert Wiedenmann besetzt wurde.

 

1976-1989

Im Jahr 1976 übernahm Hans Wieland die Leitung des Instituts für Leibesübungen der Universität Stuttgart. Die zentrale inhaltliche Veränderung erfolgte zum Wintersemester 1977/78. In diesem Studienjahr nahmen erstmals 38 Studierende ihr Studium für das Fach Sport im Höheren Lehramt an Gymnasien auf. Die Ausbildung erfolgte in dieser Zeit sowohl im Universitätsstadion in Stuttgart-Degerloch als auch in der neu errichteten Sporthalle Keltenschanze auf dem Campus der Universität Stuttgart in Stuttgart-Vaihingen, sowie in zahlreichen Sportstätten der Stadt Stuttgart. Im Jahr 1982 ändert sich der formale Status des Instituts, in dem es von einer zentralen Einrichtung der Universität zu einem wissenschaftlichen Institut innerhalb der Fakultät „Geschichts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften“ wurde. In diesem Zuge wechselt auch der Name – es wurde in „Institut für Sportwissenschaft“ umbenannt. Parallel dazu konnte der Allgemeine Hochschulsport als Zentrale Einheit der Technischen Universität Stuttgart weitergeführt werden. Leiter des Allgemeinen Hochschulsports war Hubert Wiedemann.

Mit diesen formalen Änderungen expandierte das Studienangebot. 1985 wurde ein Magister-Studiengang eingeführt und 1989 in Kooperation mit der Universität Hohenheim der Wahlpflichtbereich Sport für Diplomhandelslehrer. Die Ausweitung des Lehrangebots spiegelte sich in der Entwicklung des Personals wider: Ende der 1980iger Jahre waren 12 wissenschaftliche Mitarbeiter und 3 Professoren am Institut hauptamtlich beschäftigt. Neben Prof. Hans Wieland waren es Prof. Dr. Gustav Schoder und Prof. Erich A. Bauer, die in den Jahren 1984/1985 ihre Tätigkeit am Institut für Sportwissenschaft aufnahmen und in den Jahren 2004 (Prof. Dr. G. Schoder) und 1995 (Prof. E. A. Bauer) altersbedingt ausgeschieden sind.

In den 1980iger-Jahren wurden zudem wichtige räumliche Veränderungen angestoßen. Das Institut zog auf das Gelände des Campus der Universität Stuttgart in Stuttgart Vaihingen. Am Allmandring wurde im Rahmen der Leichtathletik-Europameisterschaft in Stuttgart 1986 das Leichtathletikstadion in Betrieb genommen. Mit dem Wintersemester 1988/89 startete der Lehrbetrieb im angegliederten Verwaltungsgebäude und der Sporthalle am Allmandring.

 

1989-2001

Nach den vielfältigen Veränderungen der letzten Jahren setzte in den 1990iger-Jahren eine Phase der Konsolidierung ein. Dennoch expandierte der Forschungs- und Lehrbereich des Instituts. Im Jahr 1993 wurde Prof. Dr. A. Gollhofer als Professor für Angewandte Biomechanik berufen und im Jahr 1998 Prof. Dr. K.-P. Brinkhoff für den Bereich der Sportsoziologie. Im Lehrbereich wurden 1996 erstmals 26 Studienanfänger für den Diplomstudiengang Sportmanagement, mit den beiden Schwerpunkten Leistungssport und Freizeit- und Gesundheitssport zugelassen. Damit wurde ein weiteres Standbein im Lehrbetrieb des Instituts etabliert. Im Jahr 2000 wechselte Prof. Gollhofer an das sportwissenschaftliche Institut der Universität Freiburg. Vertreten wurde die Professur in der Zeit von 2000-2003 durch PD Dr. R. Wollny.

 

2001 -2010

Mit dem Ausscheiden des langjährigen Institutsdirektors Prof. H. Wieland im Jahr 2000 und der Berufung von Prof. Dr. W. Schlicht (2001) erweiterte das Institut für Sportwissenschaft seine Forschungsausrichtung auf gesundheitswissenschaftliche Themen und gewichtete sie neu. Die für sportwissenschaftliche Institute verbreitete leistungssportliche Orientierung wurde, zugunsten einer auf Bewegung und körperliche Aktivität ausgerichteten Forschung und Lehre posteriorisiert. Im Jahr 2008 wurde das Institut für Sportwissenschaft folgerichtig in Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft umbenannt und der Lehrstuhl von Prof. Schlicht in Sport- und Gesundheitswissenschaften neu denominiert. Die vakante Professur im naturwissenschaftlichen Bereich wurde durch die Berufung von Prof. Dr. W. Alt (2004) besetzt. Im Jahr 2009 wurde Frau Prof. Dr. N. Schott (Sport- und Gesundheitswissenschaft) an das Institut berufen.

Der Lehrbetrieb stand in diesem Jahren unter einem großen Veränderungsdruck, der durch bildungspolitische Entscheidungen induziert wurde. Der Magisterstudiengang und der Diplomstudiengang wurden im Studienjahr 2003/04 durch den Bachelorstudiengang ergänzt und im Studienjahr 2008/09 ersetzt. Zum Wintersemester 2008/09 startete auch der Masterstudiengang Gesundheitsförderung am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft. Zum Sommersemester 2010 konnte erstmals der Weiterbildungsstudiengang Master:online Gerontologie gebucht werden, der am Institut residiert und im Verbund mit weiteren Fakultäten (2 und 7) der Universität Stuttgart angeboten wird.

Auch räumlich entwickelte sich das Institut weiter. Im Jahr 2008 wurde das Forschungs- und Beratungszentrum auf dem Gelände am Allmandring in Betrieb genommen.